Expertenforum


Lebensmittelallergien auf dem Vormarsch

© Prof. Dr. med. Torsten Zuberbier, Berlin
© Prof. Dr. med. Torsten Zuberbier, Berlin

EXPERTENFORUM

Experteninterview mit Prof. Dr. med. Dr. h.c. Torsten Zuberbier, Geschäftsführender Direktor der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie und Sprecher des Allergie-Centrums-Charité, Berlin

Fast jeder dritte Deutsche leidet mindestens einmal in seinem Leben unter einer gesteigerten Reaktion seines Immunsystems. Unter Kindern und Jugendlichen sind etwa doppelt so viele von einer Lebensmittelallergie betroffen als unter den Erwachsenen. Woran liegt das?

Prof. Dr. Torsten Zuberbier: Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass in der Europäischen Union ca. jeder dritte Bürger an einer Allergie allgemein leidet. Dies kann ein Heuschnupfen, allergisches Asthma, Neurodermitis oder auch eine Nahrungsmittelallergie sein.

Im Kindesalter treten häufig Nahrungsmittelallergien auf zum Beispiel Kuhmilch oder Hühnerei auf, vor allem wenn die Kinder an einer Neurodermitis leiden. Die jeweilige Kuhmilch- oder Hühnereiallergie verliert sich jedoch bei fast allen Kindern wieder, so dass sie im Erwachsenenalter kein Problem mehr darstellt.
 
Wie kann man eine Lebensmittelallergie von einer Nahrungsmittelunverträglichkeit unterscheiden?

Prof. Dr. Torsten Zuberbier: Lebensmittelunverträglichkeiten lassen sich in verschiedene Gruppen unterteilen. Zum einen gibt es „immunologische Nahrungsmittelallergien“. Hierbei geht es um echte Nahrungsmittelallergien, bei denen vom Immunsystem Antikörper (Immunglobulin E) gebildet werden. Diese kann man mit einem Haut- oder Bluttest nachweisen. Eine echte allergische Reaktion kann einen lebensbedrohlichen Zustand darstellen. Zum anderen gibt es „nicht-immunologische Nahrungsmittelintoleranzen“, wie zum Beispiel die Histaminunverträglichkeit, oder Zusatzstoffintoleranz. Hierbei bildet der Körper keine Allergieantikörper, Haut- und Bluttests sind also nicht verlässlich. Jedoch können bei den „nicht-immunologischen Nahrungsmittelintoleranzen“ ganz ähnliche Symptome wie bei einer echten allergischen Reaktion auftreten.

Des Weiteren gibt es die „Funktionsstörungen im Darmtrakt“, die zu den Nahrungsmittelunverträglichkeiten gehören. Hierzu zählen die Laktoseintoleranz, bei der das spaltende Enzym Laktase nicht oder nicht mehr ausreichend vom Körper gebildet wird, und auch die Fruktosemalabsorption, der eine Transportstörung im Darm zugrunde liegt. Bei diesen Funktionsstörungen kommt es in erster Linie zu Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfällen.  
 
Erst kürzlich konnte herausgestellt werden, dass bestimmte Mikroorganismen in der Lage sind, den Übergang von allergieauslösenden Stoffen ins Blut durch eine verringerte Durchlässigkeit der Darmschleimhaut zu hemmen. Welche Chancen sehen Sie in diesem Forschungsergebnis?


Prof. Dr. Torsten Zuberbier: Die derzeitig einzige verlässliche Therapieoption der Nahrungsmittelallergie stellt der strikte Verzicht auf den Auslöser dar. Daher ist es auch so wichtig, den genauen Auslöser zu kennen, damit unnötig einschränkende Diäten vermieden werden können. Mit diesem Wissen stellt der genannte Therapieansatz natürlich eine sehr interessante Alternative dar. Jedoch gibt es zu diesem Thema noch sehr viele offene Fragen und einen hohen Forschungsbedarf, um allgemein gültige Empfehlungen geben zu können.

 

Quellenverweis: Das Experteninterview führte medicalpress.de

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Wortie spezial: Stielwarzen mittels Vereisung behandeln

© Monika Hagenhoff/ medicalpress.de
© Monika Hagenhoff/ medicalpress.de

EXPERTENFORUM

Fachinterview zum Thema Stielwarzen mit Monika Hagenhoff, Apothekerin aus Dortmund

Auch wenn Stielwarzen kein Risiko für die Gesundheit darstellen, empfinden viele Menschen die kleinen stielförmigen, zumeist hautfarbenen Ausstülpungen als störend. Insbesondere Best Ager, dabei Frauen und Männer gleichermaßen, plagen sich mich diesem kosmetischen Makel herum. Mittels punktgenauer DIY-Vereisung lassen sich die gutartigen Wucherungen jedoch ungefährlich zu Hause behandeln.

 

Warum ist die Vereisung eine optimale Therapie, um Stielwarzen loszuwerden?

 

Monika Hagenhoff: Die Vereisung ist meines Erachtens gut geeignet, weil sie durch den Betroffenen leicht anzuwenden ist. In der Regel reicht eine einmalige Anwendung aus, die reine Vereisungszeit beträgt 40 Sekunden, so dass die Stielwarze nach 10-14 Tagen von selbst abfällt.

 

Warum brauchen Betroffene vor der Selbstbehandlung einer Stielwarze durch Vereisung keine Angst zu haben?

 

Monika Hagenhoff: Weil die Selbstbehandlung bei richtiger Anwendung kaum wehtut und auch keine offenen Wunden oder Blutungen entstehen. Für die korrekte Anwendung und wenn man sich unsicher ist, am besten in der Apotheke nachfragen oder einen Blick in den Beipackzettel werfen.

 

Wie kann man sich sicher sein, dass es sich um eine Stielwarze handelt?

 

Monika Hagenhoff: Um auf Nummer sicher zu gehen, schaut man sich die vermeintliche Stielwarze mit einer Lupe oder einem Vergrößerungsspiegel genau an. Sie sitzt auf einem kleinen Stiel und ihre Farbe sollte identisch mit dem restlichen Hautton sein. Außerdem sollte sie weich und beweglich sein und nicht schmerzen, wenn man sie berührt. Betroffene kennen oftmals bereits das Erscheinungsbild der Stielwarze. Bei Zweifeln sollte natürlich unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.

 

Warum ist von einer Entfernung der Stielwarze mit der Schere unbedingt abzuraten?

 

Monika Hagenhoff: Hierbei besteht eine große Infektionsgefahr. Während das Abschneiden der Hautwucherung beim Arzt unter sterilen Bedingungen geschieht und eine Nachversorgung gewährleistet ist, sind unsere Scheren zu Hause nicht steril, so dass schon durch den Schnitt beispielsweise Bakterien in die Wunde geraten können, wodurch eine Entzündung entstehen kann. Da Stielwarzen zudem gut durchblutet sind, kommt es eventuell zu einer stärkeren Blutung und zur Narbenbildung.

 

Was empfehlen Sie zur Nachsorge einer vereisten Stielwarze und wie sollte man mit der betroffenen Hautstelle nach der Vereisung umgehen?

 

Monika Hagenhoff: In erster Linie sollte man schauen, dass auf der behandelten Stelle keine Kleidung scheuert oder man daran kratzt. Mit einem Pflaster kann man sie gut schützen. Auch von direkter Sonneneinstrahlung ist abzuraten. Auch nach dem Abfallen der Stielwarze ist die behandelte Hautstelle noch eine Zeitlang besonders empfindlich, sie sollte daher bei Besonnung mit einem Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor geschützt werden.

 

Stielwarzen: Charakteristika und Behandlung

 

Die meisten Sachen, die die Haut betreffen, führen einen in die Obhut des Hautarztes. Muttermale, Krampfadern oder Couperose gehören zum Beispiel in die Hände des dermatologischen Profis. Anders bei Stielwarzen. Stielwarzen sind ungefährliche Hautwucherungen und haben mit Warzen im klassischen Sinne nichts gemein. Obwohl sie aus medizinischer Sicht nicht entfernt werden müssen, stören sie ein tadelloses Hautbild. Das bewegt einige dazu, sie selbst zu entfernen.

 

Eine Stielwarze ist eine rund ein bis fünf Millimeter kleine Hautwucherung am Hals, in der Achselhöhle oder der Leistengegend – was aussieht und auch heißt wie eine Warze, ist im Grunde genommen keine, da sie nicht durch Viren verursacht wird. Stielwarzen sind gutartige Wucherungen des Bindegewebes, in der Dermatologie als weiches Fibrom oder Akrochordon bekannt. Was medizinisch gesehen ungefährlich ist, sieht unschön aus. Insbesondere wenn es nicht nur bei einer bleibt, denn: Eine Stielwarze kommt selten allein.

 

Stielwarzen entstehen durch übermäßiges Wachstum von Hautzellen. Nur warum sie vermehrt wuchern, ist derzeit noch nicht eindeutig geklärt. Deshalb kann man auch keine prophylaktischen Maßnahmen ergreifen. Sie entstehen bevorzugt in Arealen wie Hals, Achseln oder der Leistengegend an. Sogar am Augenlid zeigen sie sich manchmal. Und das bei Frauen und Männern gleichermaßen. Teilweise geht es damit schon in der Pubertät los. Doch die meisten dieser weichen Hautknötchen bilden sich jenseits des 30. Lebensjahres. Stielwarzen mögen das Alter: So gibt es kaum einen Best Ager, der nicht ein paar Stielwarzen sein Eigen nennt.

 

Um auf Nummer sicher zu gehen, dass es sich tatsächlich um eine echte Stielwarze handelt, gilt es, genau hinzusehen. Am besten mittels Lupe oder Vergrößerungsspiegel. Denn die kleinen Hautknötchen haben ganz bestimmte Eigenschaften. Ihre Farbe ist identisch mit dem restlichen Hautton, manchmal auch ein wenig dunkler. Sie sind weich und biegsam. Ganz gleich in welche Richtung sie bewegt werden: Es tut nicht weh. Auch beim bloßen Berühren verursachen sie keine Schmerzen. Und wie ihr Name schon sagt, ragen sie auf einem kleinen, schmalen Stiel aus der Haut.

 

Abschneiden, abrasieren, abbinden?

 

Besser nicht! Es gibt die verrücktesten Mittel eine Stielwarze selber zu entfernen. Die meisten davon sind jedoch nicht zu empfehlen: Die Stielwarze ist sehr zellreich und gut durchblutet. Schneidet man sie ab oder geht mit dem Rasierer darüber, kann das eine langwierige Blutung zur Folge haben. Das Abbinden mit einem Faden, den man jeden Tag fester zieht, hat den Zweck, der Stielwarze die Blut- und Nährstoffzufuhr zu kappen. Allerdings entfernt man sie so nicht rückstandslos, es bleibt oft ein kleiner Rest des Stiels zurück.

 

Wortie spezial: Stielwarze on ice!

 

Was man von der Behandlung „echter“ Warzen schon lange kennt, das gibt es auch für die Entfernung von Stielwarzen: die bewährte DIY-Kryotherapie mit dem apothekenexklusiven, nicht verschreibungspflichtigen Medizinprodukt Wortie spezial von Hennig Arzneimittel. Durch die Kälte werden das Gewebe und die Blutgefäße der Stielwarze zerstört und sie fällt nach einiger Zeit von selber ab. Darunter kommt glatte Haut zum Vorschein. Lässt man Stielwarzen aus rein kosmetischen Gründen allerdings beim Hautarzt entfernen, werden hier Kosten zwischen 50-70 Euro fällig, die als Selbstzahlerleistung getragen werden müssen.

 

Quellenverweis: Yupik PR Köln/ medicalpress.de

Weiterführende Informationen: www.wortie-hennig.de

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Volksleiden Rücken- und Kopfschmerzen

© Efe Gökpinar, Chiropraktor aus Hamburg
© Efe Gökpinar, Chiropraktor aus Hamburg

EXPERTENFORUM

Fachinterview zum Thema mit Efe Gökpinar, Chiropraktor mit eigener Chiropraxis in Hamburg 

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Chiropraktiker und einem Chiropraktor?

 

Efe Gökpinar: Der entscheidende Unterschied ist die Ausbildung (Dauer und Qualität): ChiroprakTOREN haben ein intensives Studium der Chiropraktik (5 Jahre an der Universität/Hochschule + 1 Praxisjahr) absolviert, das sowohl den einheitlichen internationalen Standards als auch den Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) entspricht. Durch das Studium, in dem auch Wissen aus den Bereichen Neurologie, Orthopädie sowie Rheumatologie vermittelt wird, verfügt ein Chiropraktor zusätzlich über fundierte Kenntnisse, die weit über die der Allgemeinmedizin hinausgehen, so dass er nicht nur dazu in der Lage ist, radiologische Bilder zu lesen; er ist auch röntgen- und diagnoseberechtigt – im Gegensatz zu Chiropraktikern.

 

Chiropraktiker sind Heilpraktiker, die lediglich eine Zusatzausbildung im Bereich Chiropraktik absolviert haben. Die Ausbildungsstandards sind nicht gesetzlich definiert und reichen daher von kurz bis lang sowie qualitativ gut bis leider unzureichend. Trotz dieser Diskrepanz gibt es in Deutschland – im Gegensatz zu sehr vielen anderen Industrieländern – noch kein eigenes Berufsgesetz für Chiropraktoren. Sie sind daher trotz ihrer hochqualifizierten chiropraktischen Ausbildung dazu verpflichtet, unter dem Heilpraktiker-Gesetz zu arbeiten.

 

In Deutschland leidet jeder dritte Erwachsene unter Rückenschmerzen. Laut Forschungsergebnissen ist die Chiropraktik hier die effektivste Behandlungsmethode. Wie lässt sich das erklären?

 

Efe Gökpinar: Vereinfacht dargestellt lässt es sich so erklären, dass die chiropraktische Behandlung nicht auf die kurzfristige Symptombekämpfung abzielt, wie z.B. Spritzen, sondern auf die langfristige Behebung der Ursache, die sehr häufig auf Blockaden zurückzuführen ist (Ursache à Fehlstellung à Symptom). Bei einer Blockade handelt es sich um eine Fehlstellung der Wirbel oder Gelenke, die oft nicht nur mit Schmerz, sondern auch mit eingeschränkter Beweglichkeit verbunden ist. Dafür ist das zentrale Nervensystem verantwortlich, das durch die Wirbelsäule geschützt wird und sämtliche Körperfunktionen steuert und kontrolliert. Durch eine Fehlstellung der Wirbel kommt es zum Druck auf das Nervensystem, wodurch eine Vielzahl von Symptomen wie beispielsweise Rückenschmerzen ausgelöst werden können. Das Prinzip der fachmännisch durchgeführten chiropraktischen Behandlung ist einfach wie genial: Durch die rein manuell durchgeführte Behandlung werden die Wirbel und Gelenke justiert (der Volksmund spricht hier unzutreffenderweise oft von „eingerenkt“) und somit wieder in die ursprüngliche Stellung gebracht. Der Druck auf das zentrale Nervensystem nimmt ab, der Schmerz geht bzw. die Symptome klingen ab.

 

Um es gar nicht erst zu einer Blockade und damit in Folge zum Beispiel zu Rückenschmerzen kommen zu lassen, sind Sport bzw. Bewegung und die richtige Haltung die perfekte Prävention. Denn der Druck, der durch Bewegung erzeugt wird, ist die „Nahrung“ der Bandscheiben und des Knorpelgewebes. Mit ausreichender Bewegung verhält es sich übrigens genauso wie mit dem Zähneputzen: Um Karies effektiv vorbeugen zu können, ist das tägliche Zähneputzen unumgänglich. Hält man sich diese Tatsache vor Augen, ist es nicht weiter verwunderlich, dass inaktive Menschen bzw. Menschen, die nicht für ausreichend Ausgleich zu ihrer einseitigen bzw. sitzenden Tätigkeit sorgen, oftmals unter dem Volksleiden Rückenschmerzen leiden. Wer aufgrund von Rückenschmerzen keinen Sport treibt, begibt sich in einen Teufelskreis von Inaktivität und Schmerzen. Dieser Teufelskreis kann durch Eigenverantwortlichkeit (regelmäßig ausreichend Bewegung) und die Lösung von Blockaden (durch Chiropraktik) schnell und nachhaltig unterbrochen werden.

 

Welche Arten von Rückenbeschwerden behandeln Sie in Ihrer Praxis am häufigsten?

 

Efe Gökpinar: In meiner Praxis behandeln wir besonders häufig Patienten mit folgenden drei „Problemzonenen“ und Symptomen:
  • Lendenwirbelsäule (LWS)/Becken – mit und ohne Ausstrahlung ins Bein
  • Brustwirbelsäule (BWS) – allgemeine vegetative Störungen wie Atembeschwerden, Magen- oder Brustschmerzen oder Herzrasen
  • Halswirbelsäule – mit und ohne Ausstrahlung in die Arme, Schwindelgefühl und Kopfschmerzen.

Des Weiteren behandeln wir viele Patienten mit einem Bandscheibenvorfall oder einer Sportverletzung, Trauma sowie Arthrose. Last but not least zählen bereits sehr viele Kinder und Säuglinge zu unserem Patientenkreis.

 

Verspannungen der Nacken- und Rückenmuskulatur können auch Kopfschmerzen verursachen. Wie gehen Sie bei diesem Beschwerdebild vor?

 

Efe Gökpinar: Es gibt 100 verschiedene Arten von Kopfschmerzen, die man in drei Kategorien einordnen kann: Spannungskopfschmerzen, Nackenkopfschmerzen und Migräne. Desweiteren gibt es drei „Ursprungskategorien“:

  • Physisch (z. B. Kopfschmerz durch einen Stoß/Schleudertrauma)
  • Chemisch (z.B. Kopfschmerzen nach übermäßigem Alkoholkonsum, Einatmen von Lack- und Farbdämpfen)
  • Bio-Chemisch (z.B. Kopfschmerzen durch falsche Ernährung; sehr häufig bei Migräne-Patienten)
  • Psychisch (z.B. Kopfschmerzen durch seelische Belastung)

Um herausfinden zu können, ob der Patient unter einem Kopfschmerz leidet, der durch Chiropraktik zu behandeln ist, ist ein sehr ausführliches Gespräch mit dem Patienten zwingend erforderlich; die Suche nach den Ursachen kommt manchmal der Detektivarbeit gleich:

  • Ist der Schmerzauslöser bekannt (z. B. durch einen Unfall)?
  • Wie stark ist der Schmerz auf einer Skala von 1 – 10?
  • Handelt es sich um einen Dauerkopfschmerz?
  • Wann fingen die Kopfschmerzen an?
  • In welchem Zusammenhang treten die Kopfschmerzen auf bzw. ist ein Auslöser festzumachen?
  • Könnten die Schmerzen hormonell bedingt sein, was insbesondere bei Migräne häufig der Fall ist?
  • Wie hat sich der Kopfschmerz entwickelt, usw.? 
Wenn die Kopfschmerzen tatsächlich durch Chiropraktik zu behandeln sind, haben sie häufig folgende Ursachen: 
  • Nackenkopfschmerzen: Blockade(n) in der HWS
  • Spannungskopfschmerzen: häufig ist eine Blockade weiter unten ursächlich, also am Übergang in der HWS/BWS.
  • Migräne: Blockaden in der HWS mit sehr intensiver Symptomatik. In der ersten Zeit erfolgen die Behandlungen relativ kurz hintereinander, innerhalb von eineinhalb Wochen muss es bereits zu ersten Reaktionen bzw. Verbesserungen kommen. 

Hinsichtlich der Blockaden endet die „Detektivarbeit“ nicht mit der Behandlung. Idealerweise wird durch das Patientengespräch die Ursache ermittelt, warum es überhaupt zu den Blockaden oder aber den Verspannungen kommt, um eine langfristige und nachhaltige Verbesserung bzw. Heilung zu erreichen.

 

Quellenverweis: Das Experteninterview führte medicalpress.de.

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Was hilft bei schmerzempfindlichen Zähnen?

 Kraftvoll zubeißen mit gesunden Zähnen
Kraftvoll zubeißen mit gesunden Zähnen

EXPERTENFORUM

Interview zum Thema mit Dr. Oliver Hass, Medical Affairs Manager, GlaxoSmithKline Consumer Healthcare

Betroffene von schmerzempfindlichen Zähnen sind häufig zwischen 20 und 50 Jahre alt, Frauen trifft es etwas häufiger als Männer. Woher kommen die Schmerzen?

Dr. Oliver Hass: Zähne können schmerzempfindlich werden, wenn sich das Zahnfleisch zurückzieht oder wenn der Zahnschmelz abgebaut wird. Dadurch kann sogenanntes Dentin freigelegt werden, ein Teil des Zahnes, der ursprünglich keinen Kontakt zur Mundhöhle hatte. Das Dentin wird von vielen kleinen Kanälen durchzogen. Bei freiliegendem Dentin können äußere Reize über diese Kanäle bis zum Zahnnerv vordringen – Heißes, Kaltes, Süßes oder auch nur ein Luftzug können damit den Zahnnerv reizen und Schmerzen auslösen.
 
Mehr als die Hälfte der Betroffenen erträgt das Stechen, ohne Hilfe beim Zahnarzt zu suchen. Welche Ursachen für schmerzempfindliche Zähne sind denkbar?

Dr. Oliver Hass: Bei schmerzempfindlichen Zähnen sollten Betroffene zunächst Ihren Zahnarzt aufsuchen, um die Ursache der Schmerzen zu klären. Eventuell können die Schmerzen auch durch zum Beispiel Karies verursacht werden, dann kann nur der Zahnarzt helfen. Lautet die Diagnose des Zahnarztes „schmerzempfindliche Zähne“, kann bereits der Wechsel der Zahnpasta zu einer Verbesserung der Situation führen.

 

Quellenverweis: GlaxoSmithKline

 

Der Siegeszug der Zahncreme


Im Jahr 1907 kam der Apotheker Heinsius von Mayenburg in Dresden auf die Idee, aus Zahnpulver und Mundwasser eine Paste zu mischen und in Tu­ben zu füllen, die den heutigen Zahncremes mit ihrem frischen Minzgeschmack schon sehr ähn­lich war. Unter dem Namen Chlorodont gelangte die Zahncreme zu Weltruhm, geriet aber ab 1945 wieder in Vergessenheit. In den 30er Jah­ren des letzten Jahrhunderts sollte Zahnpasta für jedermann erschwinglich werden: Die Firma Blendax brachte das erste kostengünstige Pro­dukt auf den Markt, das auch in Lebensmittelgeschäften zu bekommen war.


Rund 20 Jahre später gab es einen Quantensprung zur medizinisch wirksamen Zahncreme. Zu­sammen mit der Mainzer Apothekerin Hafer entwickelten Zahn-Experten 1951 die erste Zahnpasta, die vorbeugend wirkte gegen Zahnfleischbluten, dem ersten Anzeichen einer beginnenden Parodontitis. Die erste Fluorid-Zahncreme wiederum kam 1955 auf den Markt. Seither sind viele weitere Wirkstoffe hinzuge­kommen, die den Schutz vor Karies, Zahn­fleischentzündung und Zahnstein optimieren.

Zahncreme ist Hightech


Zahncreme ist weit mehr als ein bisschen Schaum­bildner und Schlämmkreide. Denn in den Labo­ratorien der Mundhygiene-Unternehmen werden die Rezepturen für eine optimale Zahnpflege stetig verbessert und dem neuesten Stand der Wissenschaft angepasst. In manchem Produkt finden sich bis zu 100 Substanzen, die den bestmöglichen Schutz vor Zahnerkrankungen garantieren sollen. Nur eine ausgewogene Mischung verschiedener Inhaltsstoffe liefert ein perfektes Putzergebnis. Schaumbildner wie Natrium-Laurylsulfat sorgen für eine gute Verteilung der Zahncreme im gesamten Mundraum und lösen gleichzeitig auch an versteckten Stellen Speisereste von den Zähnen. Wenn nun noch die Putzkörper aus Kieselerde sanft mit der Bürste über den Zahn gerieben werden, ist ein wichtiger Teil der Reinigung erledigt. Zur Vorbeugung gegen Karies sollte vor allem auch Fluorid in der Creme enthalten sein. Beliebt sind Zahncremes, die Komplettschutz bieten und mehrere Bedürfnisse auf einmal abdecken.

Dosierung

 

Schon ein wenig ist ausreichend, denn im Gegensatz zur landläufigen Meinung muss die Bürste nicht von vorne bis hinten mit Zahncreme bedeckt sein. Bereits eine erbsengroße Menge reicht, um eine optimale Zahnpflege zu erzielen. Wichtig ist es, nach dem Ausspucken der Zahncreme nicht mit Wasser nachzuspülen. Nur so kann das Fluorid noch lange vor Karies schützen.

Das Spurenelement Fluorid


Fluorid hat sich als wahres Wundermittel gegen Karies bewährt. Es erhöht die Widerstandsfähigkeit des Zahnschmelzes gegen Säuren aus dem Zahnbelag und der Nahrung, die wichtige Substanzen aus dem Zahn herauslösen. Fluorid hilft dabei, den Zahn wie­der hart zu machen. In Lebensmitteln ist nur selten Flu­orid enthalten. Darum wird den meisten Zahncremes seit den 50er Jahren Fluorid beigemengt. In welcher Form das Fluorid seine besten Resultate erzielt, als Natrium-Fluorid oder Amin-Fluorid, ist auch unter Experten noch umstritten. Belegt ist all­gemein der durchschlagende Erfolg: Die zunehmende Verbreitung fluoridierter Zahncremes und fluoridierten Speise­salzes haben die Zahngesundheit weltweit kontinuierlich verbessert.

Putzkörper


So genannte Putzkörper bilden ein Fünftel bis die Hälfte der Zahncreme. Die winzigen Teilchen, rund 10 bis 100-mal klei­ner als der Durchmesser eines Haares, putzen sanft die Beläge und Speisereste von den Zäh­nen. Dabei kommt es aber auch – wie bei allen Reibevorgängen – zum Abrieb der Zahnober­fläche, einer sogenannten Abrasion. Um einen ausreichenden Putzeffekt und dennoch wenig Verlust an Zahnsubstanz zu haben, nutzen
Zahncremehersteller das Wissen der Material­forscher. Form, Größe und Härte der Putzkörper bestimmen deren Reinigungsleistung. Meist sind sie aus Kieselerde, aber auch kleine Kunst­stoffkügelchen kommen zum Einsatz. Schlämm­kreide enthalten nur noch wenige Zahncremes, da sie einige Wirkstoffe, wie beispielsweise das Fluorid, außer Kraft setzen kann.

Der minimale Abrieb


Ein Beurteilungskriterium für die Stärke des Abriebs ist der RDA-Wert („Radioactive Dentin Abrasi­on“, engl. für Abrieb des Zahnbeins): Sehr scho­nende Pasten haben einen niedrigen Wert um die 50, Standardcremes kommen auf bis zu 120 und stark „schmirgelnde“ Zahnpasten zum Bei­spiel für Raucher liegen zwischen 120 und 150. Er ist unter Wissenschaftlern allerdings um­stritten: Um RDA-Werte verschiedener Marken objektiv vergleichen zu können, müssten alle Werte im gleichen Labor mit derselben Testserie bestimmt worden sein – was tatsächlich bisher noch nicht der Fall gewesen ist. Grundsätzlich gilt: Dem Zahnschmelz selbst können die Putzkörper nichts anhaben. Er ist immerhin die härteste Substanz des menschlichen Körpers. Viel wichtiger ist es, auf die richtige Putztechnik zu achten und nicht zu sehr zu schrubben – hier kann auch der Umstieg auf eine elektrische Zahnbürste hilfreich sein. Ein zu starker Abtrag der Zahnoberfläche im Bereich der Zahnhälse macht den Zahn auf Dauer schmerzempfindlich.

Schutz vor Zahnfleischentzün­dungen und Parodontitis


Einige Zahncremes enthalten zum Schutz vor Zahnfleischentzündungen und Parodontitis antibakterielle Zusätze wie beispielsweise Triclosan. Es be­wirkt, dass sich Zahnbelag langsamer aufbaut. Entzündungshemmende Substanzen wie Ka­millen- und Salbei-Extrakt lassen Rötungen und Schwellungen des gestressten Zahnfleisches zurückgehen.

Gegen Zahnstein


Zahncreme kann auch gegen Zahnstein vorbeugen. Normalerweise ist Zahnbelag ein zäher Film auf den Zähnen, der sich durchs Zähneputzen leicht entfernen lässt. Doch unter bestimmten Umständen härtet der Belag zu Kristallen aus – es entsteht Zahnstein. Die Säure, die diese Kristallbildung möglich macht, stammt von den Bakterien im Belag. Da sie mit Mineralien reagiert, die direkt aus den Speicheldrüsen im Mund kommen, findet man in deren Nähe auch den meisten Zahnstein. Das angrenzende Zahnfleisch, gereizt durch die Keime im Zahnstein, entzündet sich schnell und eine Parodontitis kann die Folge sein. Ha­ben sich die lästigen Verkalkungen erst einmal gebildet, helfen zwar auch Zahncreme und Zahnbürste nicht weiter, doch selbst wenn Zahnstein nicht gänzlich verhindert werden kann: Bestimmte Substanzen in der Zahncreme unterbinden eine rasche Entstehung der Verkal­kungen. Pyrophosphate und Zinkverbindungen schieben der Kristallisation einen Riegel vor, ohne die wichtige Remineralisierung des Zahn­schmelzes zu gefährden.

Für frischen Atem


Ein frischer Atem wird durch verschiedene Zusätze in den Zahn­cremes erzielt. Am bekanntesten ist das Men­thol aus der Pfefferminze, das bereits in den allerersten Zahncremes, die auf den Markt kamen, enthalten war. Bis heute hat sich dieser Wirkstoff bewährt: Er lindert Schmerzen und sorgt für ein Frischegefühl, indem er Kälterezep­toren in den Mundschleimhäuten aktiviert. Doch inzwischen kommt längst nicht mehr nur frische Minze zum Einsatz. Denn wer beim Putzen mehr Lust hat auf Zitrone, Ananas, Mango oder gar Cupuaçu, eine brasilianische Trendfrucht, findet heute entsprechende Angebote mit natürlichen Extrakten oder Aromastoffen. Ein süßes, aromatisches Geschmackserlebnis steht dabei nicht im Widerspruch zu optimaler Zahn­pflege. Zuckeraustauschstoffe wie Sorbitol sind für die Zähne unschädlich. Glitzerpartikelchen oder Farbstoffe lassen die Cremes zusätzlich bunt aussehen – und können in ansprechenden bunten Tuben für mehr Spaß bei der Zahnpfle­ge sorgen. Diese „weichen Zusatz-Qualitäten“ stellen einen nicht zu unterschätzenden Motiva­tionsfaktor dar, wie Experten bestätigen.

Unterschiedliche Varianten von Spezialzahncremes


Moderne Zahn­cremes orientieren sich immer mehr an individu­ellen Bedürfnissen. Zahncremes für Senioren, Kinder oder Personen mit empfindlichen Zäh­nen enthalten angepasste Wirkstoffkombinati­onen. Spezielle Zahncremes für das abendliche Putzen bewirken eine effektive Regeneration von Zahnschmelz und Zahnfleisch und einen frischen Atem für den nächsten Morgen. White­ning-Zahncremes können die Zähne heller machen. Verbesserte Schutzfunktionen gegen Zahnschäden versprechen auch Entwicklungen aus der Biotechnologie: Enzymzusätze erhöhen beispielsweise die Abwehrkraft des Speichels gegen Säure bildende Bakterien. Für erste Schäden durch Karies sind stark fluoridierte Gele auf dem Markt. Ein regelmäßiges Bestrei­chen der betroffenen Stellen kann den Krank­heitsverlauf stoppen, eventuell sogar rückgän­gig machen.

Für besonders empfindliche Zähne


Auch für die Bedürfnisse besonders empfindlicher Zähne werden spezielle Zahncremes angeboten. Immerhin leidet in Deutschland ungefähr je­der dritte Erwachsene unter Schmerzen, wenn seine Zähne mit Süßem, Saurem oder Heißem in Berührung kommen. Grund dafür sind freiliegende Zahnhälse, die auch schwache Reize wie kalt/heiß oder süß/sauer an die Nerven ins Zahnin­nere weiterleiten. Bei jungen gesunden Menschen bedecken an dieser Stelle nor­malerweise Zahnschmelz und Zahnfleisch die feinen Kanälchen im Zahnbein, die eine di­rekte Verbindung zu den Nerven haben. Durch falsche Mundpflege oder schlechte Ernährung kann das dünne Zement jedoch beschädigt wer­den: Die Zahnhälse liegen dann offen und der Zahn wird sensibler. Hier können Sensitiv-Zahncremes helfen, den Zahn wieder unempfindlich gegen Kaffee, Eis & Co. zu machen.

 

Einigen Pasten für sensible Zähne sind bestimmte Wirkstoffe wie Strontiumchlorid oder Zinnfluorid beigemengt. Diese Zu­sätze sollen den Verschluss der Kanälchen im Zahnbein bewir­ken. Ein anderer Weg, den Betroffenen von seinen Qualen zu befreien, zielt direkt auf die Nerven im Zahn ab. Mit Kaliumsal­zen in der Zahncreme wird einfach die Reizweiterleitung blockiert – der Nerv bleibt stumm.

 

Quellenverweis: Procter & Gamble Service GmbH

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Depressionen: Anzeichen und auslösende Faktoren

© Prof. Dr. Rüdiger Höll, Parkklinik Heiligenfeld
© Prof. Dr. Rüdiger Höll, Parkklinik Heiligenfeld

EXPERTENFORUM

Fachinterview zum Thema mit Prof. Dr. Rüdiger Höll, Chefarzt der Parkklinik Heiligenfeld

Was sind typische Anzeichen für eine Depression?


Prof. Dr. Rüdiger Höll: Zunächst empfinden die Betroffenen eine gedrückte Stimmung. Sie werden zunehmend antriebsloser und die Unternehmungslust sinkt. Es können sich Schlafstörungen in Form von Einschlaf- und Durchschlafstörungen oder frühmorgendliches Erwachen einstellen. Leichtere Arten von Depressionen werden oft verkannt. Bei schwereren Fällen werden die Betroffenen apathisch, sehen keinen Ausweg mehr und entwickeln teilweise Suizidgedanken. Handelt es sich um die schwerste Art einer Depression, liegen die Betroffenen oft still im Bett und sind nicht fähig, sich zu bewegen.
 
Welche Faktoren spielen für die Auslösung einer Depression eine Rolle?


Prof. Dr. Rüdiger Höll: Eine Depression entsteht meistens aus der Lebensgeschichte heraus. In vielen Fällen liegt die Ursache in der frühen Kindheit. Lassen Sie mich das kurz an einem Beispiel erklären: Nehmen wir an, ein junges Mädchen wächst im Kreise seiner Familie auf. Es leidet unter Kinderlähmung, die soweit gut ausgeheilt ist, aber sie trotzdem einschränkt. Das Mädchen hat eine gesunde, hübsche Schwester und hat während der gesamten Kindheit das Gefühl, weniger wert zu sein als sie. Mit steigendem Alter vergisst sie diese Minderwertigkeitsgefühle, sie heiratet, bekommt Nachwuchs und ist erfolgreich im Beruf. Dann verlässt sie ihr Mann. Plötzlich bekommt sie wieder das Gefühl, nichts wert zu sein und wird depressiv.


Anhand dieses Beispiels wird deutlich, dass eine Depression häufig durch die Reaktivierung von Gefühlen, die man in einer früheren Lebensphase empfunden hat, entsteht. Man vergisst diese Minderwertigkeitsgefühle, bis sie durch eine andere einschneidende Situation wieder ausgelöst werden. Die Annahme, dass der Tod eines nahestehenden Menschen eine Depression auslöst, ist weit verbreitet. Jedoch ist Trauer eine normale Reaktion und darf nicht mit einer Depression gleich gesetzt und sofort mit Psychopharmaka behandelt werden. Es gibt aber auch Betroffene, bei denen die Depression von "innen" kommt. Die Symptome werden bei diesen Menschen ohne erkennbare Ursache durch Botenstoffe im Gehirn ausgelöst. Diese Art der Depression nennt man endogene Depression oder auch mature depressive disorder.
 
Die Annahme, dass eine Depression nicht heilbar ist, ist weit verbreitet. Ist das wahr?


Prof. Dr. Rüdiger Höll: Nein. Viele Formen von Depressionen sind heilbar. Es gibt auch chronische Formen, die aber trotzdem gut behandelt werden können. Allgemein kann man sagen, dass Patienten der stationären Psychotherapie, wie wir sie in der Fachklinik und in der Rosengarten Klinik Heiligenfeld anbieten, eine geringere Rückfallquote haben. Für die Betroffenen ist die Fähigkeit zur "Selbstreparatur" besonders wichtig. Sie müssen herausfinden, was diese Fähigkeit behindert und wie sie sie wieder zurückerlangen können. Betroffene, die sich lediglich mit Psychopharmaka behandeln lassen, haben ein deutlich höheres Risiko, erneut an Depressionen zu erkranken.
 
Gibt es ein pflanzliches Mittel gegen die Stimmungstiefs?


Prof. Dr. Rüdiger Höll: Ja, es gibt ein pflanzliches Präparat, das auf Johanniskraut basiert. Es ist bei der Behandlung von bis zu mittelschweren Depressionen zugelassen. Jedoch hat es die Nebenwirkung, dass die Konsumenten sonnenlichtempfindlich werden.
 
Ist es wahr, dass Schlafentzug vor Depressionen schützen kann?


Prof. Dr. Rüdiger Höll: Schlafentzug ist ein Behandlungsinstrument und kein Schutzinstrument. Wenn ein Patient unter Schlafstörungen leidet, kann eine Nacht mit Schlafentzug helfen. Es werden biochemische Vorgänge in Gang gesetzt, die eine Übermüdung hervorrufen.
 
Wie können Depressionen behandelt werden?


Prof. Dr. Rüdiger Höll: Leichte bis mittelschwere Depressionen können mit ambulanter Psychotherapie behandelt werden. Leidet man unter einer mittelschweren bis schweren Depression, sollte man sich stationär behandeln lassen. Hier bei uns in den Heiligenfeld Kliniken werden Patienten mit Depressionen nach einem ganzheitlichen Therapiekonzept behandelt. Das therapeutische Handeln bezieht alle Ebenen der Person mit ein: die erkrankte Seele, den Körper, die geistig-spirituelle Ebene, die sozialen Beziehungen und die berufliche Situation.

 

Indem die Patienten als ganze Personen wahrgenommen, ihr Erleben und ihre individuelle Lebenssituation gesehen werden, können ihre Bedürfnisse erkannt und ernst genommen werden. Zur störungsspezifischen Behandlung nehmen die Patienten einmal wöchentlich an einer speziellen Gruppe für depressive Störungen teil. In dieser Indikationsgruppe lernen sie viel über ihre depressive Erkrankung, deren Entstehung, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten. Werden Depressionen frühzeitig erkannt, können siebzig bis achtzig Prozent der Betroffenen erfolgreich behandelt werden.

 

Quellenverweis: Das Experteninterview führte medicalpress.de.

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