Was hilft bei schmerzempfindlichen Zähnen?

 Kraftvoll zubeißen mit gesunden Zähnen
Kraftvoll zubeißen mit gesunden Zähnen

EXPERTENFORUM

Interview zum Thema mit Dr. Oliver Hass, Medical Affairs Manager, GlaxoSmithKline Consumer Healthcare

Betroffene von schmerzempfindlichen Zähnen sind häufig zwischen 20 und 50 Jahre alt, Frauen trifft es etwas häufiger als Männer. Woher kommen die Schmerzen?

Dr. Oliver Hass: Zähne können schmerzempfindlich werden, wenn sich das Zahnfleisch zurückzieht oder wenn der Zahnschmelz abgebaut wird. Dadurch kann sogenanntes Dentin freigelegt werden, ein Teil des Zahnes, der ursprünglich keinen Kontakt zur Mundhöhle hatte. Das Dentin wird von vielen kleinen Kanälen durchzogen. Bei freiliegendem Dentin können äußere Reize über diese Kanäle bis zum Zahnnerv vordringen – Heißes, Kaltes, Süßes oder auch nur ein Luftzug können damit den Zahnnerv reizen und Schmerzen auslösen.
 
Mehr als die Hälfte der Betroffenen erträgt das Stechen, ohne Hilfe beim Zahnarzt zu suchen. Welche Ursachen für schmerzempfindliche Zähne sind denkbar?

Dr. Oliver Hass: Bei schmerzempfindlichen Zähnen sollten Betroffene zunächst Ihren Zahnarzt aufsuchen, um die Ursache der Schmerzen zu klären. Eventuell können die Schmerzen auch durch zum Beispiel Karies verursacht werden, dann kann nur der Zahnarzt helfen. Lautet die Diagnose des Zahnarztes „schmerzempfindliche Zähne“, kann bereits der Wechsel der Zahnpasta zu einer Verbesserung der Situation führen.

 

Quellenverweis: GlaxoSmithKline

 

Der Siegeszug der Zahncreme


Im Jahr 1907 kam der Apotheker Heinsius von Mayenburg in Dresden auf die Idee, aus Zahnpulver und Mundwasser eine Paste zu mischen und in Tu­ben zu füllen, die den heutigen Zahncremes mit ihrem frischen Minzgeschmack schon sehr ähn­lich war. Unter dem Namen Chlorodont gelangte die Zahncreme zu Weltruhm, geriet aber ab 1945 wieder in Vergessenheit. In den 30er Jah­ren des letzten Jahrhunderts sollte Zahnpasta für jedermann erschwinglich werden: Die Firma Blendax brachte das erste kostengünstige Pro­dukt auf den Markt, das auch in Lebensmittelgeschäften zu bekommen war.


Rund 20 Jahre später gab es einen Quantensprung zur medizinisch wirksamen Zahncreme. Zu­sammen mit der Mainzer Apothekerin Hafer entwickelten Zahn-Experten 1951 die erste Zahnpasta, die vorbeugend wirkte gegen Zahnfleischbluten, dem ersten Anzeichen einer beginnenden Parodontitis. Die erste Fluorid-Zahncreme wiederum kam 1955 auf den Markt. Seither sind viele weitere Wirkstoffe hinzuge­kommen, die den Schutz vor Karies, Zahn­fleischentzündung und Zahnstein optimieren.

Zahncreme ist Hightech


Zahncreme ist weit mehr als ein bisschen Schaum­bildner und Schlämmkreide. Denn in den Labo­ratorien der Mundhygiene-Unternehmen werden die Rezepturen für eine optimale Zahnpflege stetig verbessert und dem neuesten Stand der Wissenschaft angepasst. In manchem Produkt finden sich bis zu 100 Substanzen, die den bestmöglichen Schutz vor Zahnerkrankungen garantieren sollen. Nur eine ausgewogene Mischung verschiedener Inhaltsstoffe liefert ein perfektes Putzergebnis. Schaumbildner wie Natrium-Laurylsulfat sorgen für eine gute Verteilung der Zahncreme im gesamten Mundraum und lösen gleichzeitig auch an versteckten Stellen Speisereste von den Zähnen. Wenn nun noch die Putzkörper aus Kieselerde sanft mit der Bürste über den Zahn gerieben werden, ist ein wichtiger Teil der Reinigung erledigt. Zur Vorbeugung gegen Karies sollte vor allem auch Fluorid in der Creme enthalten sein. Beliebt sind Zahncremes, die Komplettschutz bieten und mehrere Bedürfnisse auf einmal abdecken.

Dosierung

 

Schon ein wenig ist ausreichend, denn im Gegensatz zur landläufigen Meinung muss die Bürste nicht von vorne bis hinten mit Zahncreme bedeckt sein. Bereits eine erbsengroße Menge reicht, um eine optimale Zahnpflege zu erzielen. Wichtig ist es, nach dem Ausspucken der Zahncreme nicht mit Wasser nachzuspülen. Nur so kann das Fluorid noch lange vor Karies schützen.

Das Spurenelement Fluorid


Fluorid hat sich als wahres Wundermittel gegen Karies bewährt. Es erhöht die Widerstandsfähigkeit des Zahnschmelzes gegen Säuren aus dem Zahnbelag und der Nahrung, die wichtige Substanzen aus dem Zahn herauslösen. Fluorid hilft dabei, den Zahn wie­der hart zu machen. In Lebensmitteln ist nur selten Flu­orid enthalten. Darum wird den meisten Zahncremes seit den 50er Jahren Fluorid beigemengt. In welcher Form das Fluorid seine besten Resultate erzielt, als Natrium-Fluorid oder Amin-Fluorid, ist auch unter Experten noch umstritten. Belegt ist all­gemein der durchschlagende Erfolg: Die zunehmende Verbreitung fluoridierter Zahncremes und fluoridierten Speise­salzes haben die Zahngesundheit weltweit kontinuierlich verbessert.

Putzkörper


So genannte Putzkörper bilden ein Fünftel bis die Hälfte der Zahncreme. Die winzigen Teilchen, rund 10 bis 100-mal klei­ner als der Durchmesser eines Haares, putzen sanft die Beläge und Speisereste von den Zäh­nen. Dabei kommt es aber auch – wie bei allen Reibevorgängen – zum Abrieb der Zahnober­fläche, einer sogenannten Abrasion. Um einen ausreichenden Putzeffekt und dennoch wenig Verlust an Zahnsubstanz zu haben, nutzen
Zahncremehersteller das Wissen der Material­forscher. Form, Größe und Härte der Putzkörper bestimmen deren Reinigungsleistung. Meist sind sie aus Kieselerde, aber auch kleine Kunst­stoffkügelchen kommen zum Einsatz. Schlämm­kreide enthalten nur noch wenige Zahncremes, da sie einige Wirkstoffe, wie beispielsweise das Fluorid, außer Kraft setzen kann.

Der minimale Abrieb


Ein Beurteilungskriterium für die Stärke des Abriebs ist der RDA-Wert („Radioactive Dentin Abrasi­on“, engl. für Abrieb des Zahnbeins): Sehr scho­nende Pasten haben einen niedrigen Wert um die 50, Standardcremes kommen auf bis zu 120 und stark „schmirgelnde“ Zahnpasten zum Bei­spiel für Raucher liegen zwischen 120 und 150. Er ist unter Wissenschaftlern allerdings um­stritten: Um RDA-Werte verschiedener Marken objektiv vergleichen zu können, müssten alle Werte im gleichen Labor mit derselben Testserie bestimmt worden sein – was tatsächlich bisher noch nicht der Fall gewesen ist. Grundsätzlich gilt: Dem Zahnschmelz selbst können die Putzkörper nichts anhaben. Er ist immerhin die härteste Substanz des menschlichen Körpers. Viel wichtiger ist es, auf die richtige Putztechnik zu achten und nicht zu sehr zu schrubben – hier kann auch der Umstieg auf eine elektrische Zahnbürste hilfreich sein. Ein zu starker Abtrag der Zahnoberfläche im Bereich der Zahnhälse macht den Zahn auf Dauer schmerzempfindlich.

Schutz vor Zahnfleischentzün­dungen und Parodontitis


Einige Zahncremes enthalten zum Schutz vor Zahnfleischentzündungen und Parodontitis antibakterielle Zusätze wie beispielsweise Triclosan. Es be­wirkt, dass sich Zahnbelag langsamer aufbaut. Entzündungshemmende Substanzen wie Ka­millen- und Salbei-Extrakt lassen Rötungen und Schwellungen des gestressten Zahnfleisches zurückgehen.

Gegen Zahnstein


Zahncreme kann auch gegen Zahnstein vorbeugen. Normalerweise ist Zahnbelag ein zäher Film auf den Zähnen, der sich durchs Zähneputzen leicht entfernen lässt. Doch unter bestimmten Umständen härtet der Belag zu Kristallen aus – es entsteht Zahnstein. Die Säure, die diese Kristallbildung möglich macht, stammt von den Bakterien im Belag. Da sie mit Mineralien reagiert, die direkt aus den Speicheldrüsen im Mund kommen, findet man in deren Nähe auch den meisten Zahnstein. Das angrenzende Zahnfleisch, gereizt durch die Keime im Zahnstein, entzündet sich schnell und eine Parodontitis kann die Folge sein. Ha­ben sich die lästigen Verkalkungen erst einmal gebildet, helfen zwar auch Zahncreme und Zahnbürste nicht weiter, doch selbst wenn Zahnstein nicht gänzlich verhindert werden kann: Bestimmte Substanzen in der Zahncreme unterbinden eine rasche Entstehung der Verkal­kungen. Pyrophosphate und Zinkverbindungen schieben der Kristallisation einen Riegel vor, ohne die wichtige Remineralisierung des Zahn­schmelzes zu gefährden.

Für frischen Atem


Ein frischer Atem wird durch verschiedene Zusätze in den Zahn­cremes erzielt. Am bekanntesten ist das Men­thol aus der Pfefferminze, das bereits in den allerersten Zahncremes, die auf den Markt kamen, enthalten war. Bis heute hat sich dieser Wirkstoff bewährt: Er lindert Schmerzen und sorgt für ein Frischegefühl, indem er Kälterezep­toren in den Mundschleimhäuten aktiviert. Doch inzwischen kommt längst nicht mehr nur frische Minze zum Einsatz. Denn wer beim Putzen mehr Lust hat auf Zitrone, Ananas, Mango oder gar Cupuaçu, eine brasilianische Trendfrucht, findet heute entsprechende Angebote mit natürlichen Extrakten oder Aromastoffen. Ein süßes, aromatisches Geschmackserlebnis steht dabei nicht im Widerspruch zu optimaler Zahn­pflege. Zuckeraustauschstoffe wie Sorbitol sind für die Zähne unschädlich. Glitzerpartikelchen oder Farbstoffe lassen die Cremes zusätzlich bunt aussehen – und können in ansprechenden bunten Tuben für mehr Spaß bei der Zahnpfle­ge sorgen. Diese „weichen Zusatz-Qualitäten“ stellen einen nicht zu unterschätzenden Motiva­tionsfaktor dar, wie Experten bestätigen.

Unterschiedliche Varianten von Spezialzahncremes


Moderne Zahn­cremes orientieren sich immer mehr an individu­ellen Bedürfnissen. Zahncremes für Senioren, Kinder oder Personen mit empfindlichen Zäh­nen enthalten angepasste Wirkstoffkombinati­onen. Spezielle Zahncremes für das abendliche Putzen bewirken eine effektive Regeneration von Zahnschmelz und Zahnfleisch und einen frischen Atem für den nächsten Morgen. White­ning-Zahncremes können die Zähne heller machen. Verbesserte Schutzfunktionen gegen Zahnschäden versprechen auch Entwicklungen aus der Biotechnologie: Enzymzusätze erhöhen beispielsweise die Abwehrkraft des Speichels gegen Säure bildende Bakterien. Für erste Schäden durch Karies sind stark fluoridierte Gele auf dem Markt. Ein regelmäßiges Bestrei­chen der betroffenen Stellen kann den Krank­heitsverlauf stoppen, eventuell sogar rückgän­gig machen.

Für besonders empfindliche Zähne


Auch für die Bedürfnisse besonders empfindlicher Zähne werden spezielle Zahncremes angeboten. Immerhin leidet in Deutschland ungefähr je­der dritte Erwachsene unter Schmerzen, wenn seine Zähne mit Süßem, Saurem oder Heißem in Berührung kommen. Grund dafür sind freiliegende Zahnhälse, die auch schwache Reize wie kalt/heiß oder süß/sauer an die Nerven ins Zahnin­nere weiterleiten. Bei jungen gesunden Menschen bedecken an dieser Stelle nor­malerweise Zahnschmelz und Zahnfleisch die feinen Kanälchen im Zahnbein, die eine di­rekte Verbindung zu den Nerven haben. Durch falsche Mundpflege oder schlechte Ernährung kann das dünne Zement jedoch beschädigt wer­den: Die Zahnhälse liegen dann offen und der Zahn wird sensibler. Hier können Sensitiv-Zahncremes helfen, den Zahn wieder unempfindlich gegen Kaffee, Eis & Co. zu machen.

 

Einigen Pasten für sensible Zähne sind bestimmte Wirkstoffe wie Strontiumchlorid oder Zinnfluorid beigemengt. Diese Zu­sätze sollen den Verschluss der Kanälchen im Zahnbein bewir­ken. Ein anderer Weg, den Betroffenen von seinen Qualen zu befreien, zielt direkt auf die Nerven im Zahn ab. Mit Kaliumsal­zen in der Zahncreme wird einfach die Reizweiterleitung blockiert – der Nerv bleibt stumm.

 

Quellenverweis: Procter & Gamble Service GmbH

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