Pilzinfektionen - Diagnostik und Therapie

© Foto Prof. Dr. med. habil. Hans-Jürgen Tietz/ medicalpress.de
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EXPERTENFORUM

Experteninterview mit Prof. Dr. med. habil. Hans-Jürgen Tietz, Institut für Pilzerkrankungen und Mikrobiologie in Berlin. Zu seinen medizinischen Spezialgebieten gehören die Diagnostik und Therapie von Pilzinfektionen der Haut und der Schleimhäute.

Wie erkennt man eine Pilzinfektion und welche Körperregionen können betroffen sein?


Prof. Dr. med. habil. Hans-Jürgen Tietz: Von Kopf bis Fuß können alle Körperregionen von einer Pilzinfektion (Mykose) befallen sein. Besonders häufig treten Fuß- und Nagelpilz, Mund- und Scheideninfektionen sowie Hautausschläge auf. Charakteristisch sind Juckreiz, eine randbetonte Schuppung der Haut, Verdickungen und Verfärbungen an Nägeln sowie weißlicher Ausfluss beim Scheidenpilz.


Welche Infektionswege gibt es? Wie kann man sich schützen?


Prof. Dr. med. habil. Hans-Jürgen Tietz: Die Erreger können von der Mutter zum Kind während der Geburt, von Tier zu Mensch, Mensch zu Mensch und über Gegenstände übertragen werden. Besonders häufig ist eine Übertragung von Fuß- und Nagelpilzen in der Familie. Auch in Sportvereinen, Schwimmbädern und Hotels ist das Infektionsrisiko hoch. Vorbeugend sollte man immer eigene Latschen tragen, auch unter der Dusche und in die Saunakabine hinein. Hinterher die Füße gut trocknen, gegebenenfalls mit einem Fön.

 

Gynäkologen sollten Schwangere vor der Geburt auf Pilze untersuchen und behandeln. Von Fuß- und Nagelpilz betroffene Personen ist zu raten, sich stets zu behandeln und erst mit einem dermatologischen Attest in öffentlichen Sport- und Badeeinrichtungen Einlass zu finden. Vorsicht auch vor direktem Körperkontakt zu streunenden Katzen und Hunden, beispielsweise im Urlaub.


Wie lange dauert eine Pilzbehandlung?


Prof. Dr. med. habil. Hans-Jürgen Tietz: Der Erreger sollte möglichst komplett beseitigt sein, was Zeit braucht. Da keine Immunität gegen Pilze entsteht, muss praktisch bis zur letzten Spore behandelt werden, damit die Infektion nicht zurückkehrt. Beim Nagelpilz kann dies ein Jahr und länger dauern, bis der betroffene Nagel 100-prozentig gesund ist.

 

Wie gefährlich sind Darmpilze?


Prof. Dr. med. habil. Hans-Jürgen Tietz: Gefährlich sind sie nicht. Bis zu 70 Prozent aller Menschen leben damit von Geburt an und ein Leben lang, ohne Beschwerden zu haben. Nützlich sind sie aber auch nicht. Krankheitswert erlangen die Darmpilze, wenn sie in den Vaginalbereich wandern und die Quelle chronischer Scheideninfektionen sind. Nur bei extrem immungeschwächten Patienten in der Intensivmedizin gehen sie ins Blut über, was zu tödlichen Blutvergiftungen führen kann.

 

Stoffwechselaktive Pilzstämme sind allerdings in der Lage, Blähungen zu verursachen und Erschöpfungszustände auszulösen, was behandelt werden sollte. Auch Schübe von Hautkrankheiten wie Schuppenflechte oder Neurodermitis sind möglich, ohne dass der Erreger jedoch die direkte Ursache dafür ist.

 

Quellverweis: Das Interview führte medicalpress.de.

 

Buchlektüre zum Thema:

 

Infos und EBook: www.pilzkrankheiten.org; Thomas Weiss: "Alles über Pilzerkrankungen"; Gaby Guzek/ Elisabeth Lange: "Pilze im Körper - Krank ohne Grund?"

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