Die empfindliche Problemhaut

© Foto Prof. Dr. med. Kristian Reich/ medicalpress.de
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EXPERTENFORUM

Experteninterview mit Prof. Dr. med. Kristian Reich, Leiter des Dermatologikum Hamburg

Was ist der Unterschied zwischen empfindlicher und allergischer Haut? Wie pflege ich allergische Haut am besten?


Prof. Dr. med. Kristian Reich: Allergische Haut gibt es nicht und der Begriff empfindliche Haut ist nicht gut definiert. Haut kann, unter anderem aufgrund genetischer oder klimatischer Faktoren oder Stoffwechselerkrankungen, unterschiedlich empfindlich für transepidermalen Wasserverlust und Hauttrockenheit sein. Sie kann aufgrund unterschiedlicher Pigmentierung und Fähigkeit zur Reparatur von DNA-Schäden unterschiedlich empfindlich gegenüber UV-Exposition sein und auch die Abwehr von Hautkeimen unterliegt großen Schwankungen zwischen verschiedenen gesunden Individuen. Ein Beispiel ist der durch Herpes-simplex-Viren hervorgerufene Lippenherpes. Einige Menschen haben mehrere Episoden mit schmerzhaften Bläschen pro Jahr, andere Personen sind nie betroffen – beide liegen innerhalb der Normalverteilung der gesunden Bevölkerung.


Haut kann von allergischen Reaktionen, also Überempfindlichkeitsreaktionen des Immunsystems betroffen sein. Man unterscheidet verschiedene Typen. Die häufigsten sind das sogenannte allergische Kontaktekzem, bei dem es durch direkten Kontakt mit einer Allergie auslösenden Substanz zu einer entzündlichen Hautreaktion kommt. Daneben können eingenommene Arzneimittel zu verschiedenen Formen allergischer Reaktionen der Haut führen. Dabei spielt eine Rolle, dass die Haut sehr gut durchblutet und mit einem sehr aktiven Immunsystem ausgestattet ist, so dass eine im ganzen Körper ablaufende allergische Reaktion eben auch an der Haut sichtbar wird.


Zur Pflege trockener Haut kommen am besten Produkte zum Einsatz, die die Hautregeneration fördern und den transepidermalen Wasserverlust reduzieren. Grundsätzlich sind Produkte zu bevorzugen, die möglichst wenig solcher Substanzen enthalten, die zu Kontaktallergien führen können, wie zum Beispiel Duftstoffe. Die Anforderungen an eine optimale Pflege sind nicht nur zwischen verschiedenen Personen verschieden, sondern ändern sich auch mit dem Alter und können an unterschiedlichen Körperarealen unterschiedlich sein.


Wie entsteht Psoriasis? Ist die Krankheit ansteckend und kann man sie heilen?


Prof. Dr. med. Kristian Reich: Die Psoriasis oder Schuppenflechte verstehen wir heute als ein überschießend ablaufendes Abwehr- und Reparaturprogramm der Haut. Gefahren-Signale werden auf der Basis einer genetischen Disposition überschießend beantwortet, wobei Elemente des angeborenen und des erworbenen Immunsystems zusammenspielen. Im Ergebnis kommt es einerseits zu einer Einwanderung von Entzündungszellen in die Haut und andererseits zu einer verstärkten Proliferation und gestörten Differenzierung der Hornzellen in der Epidermis. Die entzündliche Komponente spiegelt sich in der Ausbildung geröteter erhabener Plaques wider - die Verhornungsstörung führt auf den Entzündungsherden zu einer typischen silbrig glänzenden Schuppung.


Die Erkrankung ist weder bösartig noch ansteckend; das Immunsystem der Haut reagiert übertrieben und spult ein immunologisches Abwehrprogramm ab, obwohl konkret kein Infekt der Haut zu beantworten ist. Man könnte sich durchaus vorstellen, dass Patienten mit Psoriasis ein reduziertes Hautinfektionsrisiko haben, was möglicherweise die hohe Prävalenz der Erkrankung von etwa zwei  bis drei Prozent in Deutschland erklärt.

 

Da genetische Faktoren eine wichtige Rolle bei der Entstehung der Erkrankung spielen, ist eine Heilung nicht möglich. Für kaum eine andere Hauterkrankung stehen aber derzeit so viele verschiedene gut wirksame und sichere Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Werden diese individuell eingesetzt, das heißt auf den betroffenen Patienten zugeschnitten, kann in der Regel eine gute langfristige Kontrolle der Erkrankung erreicht werden. Der Patient und auch kein Außenstehender bemerkt, dass eine Schuppenflechte besteht.


Was sind die Ursachen für Neurodermitis? Was kann man gegen den Juckreiz tun?


Prof. Dr. med. Kristian Reich: Im Unterschied zu der Situation bei Psoriasis mit einem gesteigerten kutanen Abwehr- und Reparaturprogramm steht bei Patienten mit Neurodermitis eine defekte Hautbarriere und gestörte Immunreaktion im Mittelpunkt der Erkrankung. Auch dafür sind genetische Faktoren verantwortlich. Parallel zu der gestörten Hautbarriere kommt es zu einer anhaltenden Aktivierung des Immunsystems der Haut, allerdings nicht im Sinne einer funktionierenden Abwehrreaktion, so dass im Ergebnis Patienten mit Neurodermitis häufiger unter bakteriellen Infekten der Haut, zum Beispiel mit Staphylococcus aureus oder auch viralen Infekten, zum Beispiel durch das Herpes-simplex-Virus leiden. Die Beruhigung der entzündlichen Reaktion und die Stärkung der Hautbarriere stehen daher im Mittelpunkt der therapeutischen Bemühungen.

 

Kennzeichnend für die Neurodermitis ist das Auftreten eines oft sehr quälenden Juckens, der als Folge der Hautentzündung angesehen wird. Jucken (Pruritus) ist ein komplexes Geschehen, an dem verschiedene Mediatoren und Nervenfasern beteiligt sind. In der Regel kann das Jucken bei der Neurodermitis durch eine antientzündliche und pflegende Lokaltherapie deutlich reduziert werden. Zu Beginn der Behandlung kommen auch Antihistaminika in Tropfen- oder Tablettenform zum Einsatz.

 

Quellverweis: Das Interview führte medicalpress.de.

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