Der Saathafer - Comeback einer Kulturpflanze

Saathafer - ein Getreide mit beachtlichem Gesundheitspotenzial
Saathafer - ein Getreide mit beachtlichem Gesundheitspotenzial

GESUNDHEIT

Der Saathafer (Avena sativa) wurde gerade zur Arzneipflanze 2017 gekürt. Lange als sekundäre Kulturpflanze verschmäht, besann man sich in jüngerer Zeit wieder auf seine äußerst vielfältigen gesundheitsfördernden Eigenschaften. Zu den pharmakologisch und klinisch erprobten Einsatzbereichen des Saathafers gehören die Naturheilkunde, die Medizin, die Ernährung und die dermatologische Kosmetik.

Saathafer oder Echter Hafer ist eine Pflanzenart aus der Gattung Hafer, die zur Familie der Süßgräser zählt. Anders als Weizen, Roggen und Gerste bildet dieser seine Körner in weit verzweigten Rispen aus. Die zahlreichen Spelzen müssen vor Verarbeitung aufwendig entfernt werden und liefern somit einen geringeren Ernteertrag. Dennoch gedeiht die robuste Nutzpflanze auch hierzulande auf kargen und niederschlagsreichen Böden. Durch seinen Geschmack und potenten Nährwert zeichnet sich der Saathafer vor allen anderen populären Getreidearten aus.

 

Von der Nutzpflanze zum veritablen Super-Food

 

Die ältesten Nachweise des kulturellen Haferanbaus lassen sich bis zu den germanischen Pfahlbausiedlungen der Bronzezeit zurückverfolgen. Um 5000 v. Chr. fand Hafer erste Erwähnung in Osteuropa und im Schwarzmeerraum. Auf 2.400 v.Chr. datieren Nutzungsfunde in Mitteleuropa. Bis ins späte Mittelalter und erst bis zur Einführung der Kartoffel nahm Hafer einen hohen Stellenwert als beliebte Feldfrucht und weit verbreitete Nutzpflanze ein. Selbst als Zutat in alkoholischen Getränken wie Bier und Whiskey war Hafer allseits geschätzt. In der Neuzeit verlor der flächendeckende Haferanbau aufgrund der sinkenden Nachfrage infolge der globalen Motorisierung zunehmend an Bedeutung. Durch den Pferdesport als wachsenden Breitensport gewann die Haferproduktion für Tierfuttermittel wieder an Aufschwung. Neueste ernährungsphysiologische Aspekte machen das traditionelle Lebensmittel heute zur gesundheitlich multifunktionalen Vollwertkost für Mensch und Tier.

 

Ballaststoffreiche Arzneipflanze mit ernährungsphysiologscher Wirkung

 

Der Saathafer kann eine jahrtausendealte, interessante Kultur- und Medizingeschichte vorweisen. Reich an wertvollen ungesättigten Fettsäuren, den Vitaminen B1 und B6, Mineralstoffen wie Kalium, Kalzium und Magnesium, Flavonoiden, immunregulierenden Saponinen, hochwertigen Kohlenhydraten und einer konzentrierten Eiweißzusammensetzung erfüllt dieser einen wichtigen Beitrag zur Gesunderhaltung von Haut, Haaren und inneren Organen. Saathafer gilt als hochwertigste Getreideart und bekömmliches Vollkornprodukt. Neben dem vollreifen Korn mit seinem zehnprozentigen Ballaststoffanteil kommen auch Haferstroh und Haferkraut zum Einsatz.

 

In der Naturheilkunde haben sich insbesondere entzündungshemmende Haferstrohbäder bei Verletzungen und quälendem Juckreiz bewährt. Extrakte des grünen Haferkrauts (Herba avenae) wirken als Badezusätze und Teezubereitungen lindernd bei Hautkrankheiten wie Neurodermitis und Psoriasis. Darüber hinaus werden heilkräftige Haferextrakte in dermatologischen Kosmetikprodukten für gereizte, schuppende und trockene Haut bei Kindern und Erwachsenen verwendet. Als kosmetischer Inhaltsstoff in Gesichtscremes, Haar- und Körperprodukten hilft das sanfte und gut verträgliche Hautpflegemittel bei akuten allergischen Reaktionen. Die in Apotheken erhältliche, pflanzenbasierte Dermo-Kosmetikmarke A-DERMA setzt beispielsweise zertifizierte Jungpflanzenextrakte des weißen Hafers aus Südfrankreich zur kurativen Behandlung in Pflegeprodukten für trockene und irritierte Haut ein. 

 

Auch in der modernen Ernährung finden lebensmittelgeprüfte Saathafer-Produkte mit ihrer Fülle an wertvollen Beta-Glucanen zunehmend Berücksichtigung. Ob als Haferflocken, Haferkleie, Hafermehl, in Cerealien-Mischungen oder Haferdrinks – der geringe Glutenanteil sorgt nicht nur bei Allergikern für eine ballaststoffreiche und gesunde Nahrungsergänzung auf dem täglichen Speiseplan. Saathafer-Präparate wirken zudem stoffwechselaktivierend bei Magen-Darm-Erkrankungen und entfalten positive physiologische Effekte auf den Cholesterin- und Blutzuckerspiegel. Das kohlenhydratreiche Vollkornprodukt wird dank seines niedrigen glykämischen Indexes als diätisches Lebensmittel zur Vorbeugung von Arteriosklerose und bei Diabetes mellitus Typ 2 eingesetzt. /CR

 

Quellenangaben und weiterführende Informationen:

 

Informationsdienst Wissenschaft, Studienkreis Institut für Geschichte der Medizin, Universität Würzburg, E-Mail: johannes.mayer@uni-wuerzburg.de, www.aderma.de

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